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ISSN 0947 - 8736 European Journal of Clinical Research
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18.11.06 Hohe
Ansprechraten von Lenalidomid bei myelodysplastischen „IMiDs®
sind strukturverwandte Verbindungen des Thalidomids, die als eigenständige Präparate
deutlich geringere Nebenwirkungen haben", so PD Dr. med. Axel Glasmacher,
Medizinischer Direktor von Celgene Deutschland und Mitglied der medizinischen
Fakultät der Universität Bonn. Bis heute wurden mindestens fünf verschiedene
Wirkmechanismen dieser Substanzklasse beschrieben. Hierzu zählen die Hemmung
von Entzündungen, die Stimulation von T-Zellen, die antiangiogenetische
Wirkung, die antiproliferative Wirkung sowie die Stimulation der
Pro-Erythropoese. Alle diese Mechanismen tragen auf unterschiedliche Weise dazu
bei, maligne Klone bei MDS oder
MM wirksam zu bekämpfen. Dr. Glasmacher zufolge
ist damit aber das therapeutische Spektrum der IMiDse bei weitem noch
nicht ausgeschöpft: Mögliche neue Anwendungsgebiete sind die
chronisch-lymphatische Leukämie, die Non-Hodgkin-Lymphome, die akuten
myeloischen Leukämien, die soliden Tumore sowie auch nicht-maligne Erkrankungen
wie etwa das chronische regionale Schmerzsyndrom und verschiedene
Autoimmunkrankheiten. Lenalidomid bei MDS mit 5q-Deletion Prof.
Dr. med. Norbert
Gattermann aus Düsseldorf führte aus, dass bei etwa 50% der MDS-Patienten
Chromosomenaberrationen auftreten, wobei in fast jedem dritten Fall ein Verlust
im langen Arm des Chromosoms 5 (del 5q) beobachtet wird. Liegen keine weiteren
zytogenetischen Anomalien vor und beträgt die Blastenanzahl im Knochenmark
unter 5%, so spricht man von einem 5q-Syndrom, einer im Allgemeinen sehr
stabilen Form der Erkrankung. Eine wesentlich ungünstigere Prognose haben del
5q Patienten, bei denen zusätzliche chromosomale Veränderungen vorliegen
und/oder die einen höheren Blastenanteil im Knochenmark aufweisen. Ebenfalls
prognostisch ungünstig für diese Patienten sei ein hoher Bedarf an
Bluttransfusionen, so Dr. med. Aristoteles Giagounidis aus Duisburg. Mit
Lenalidomid stehe jetzt jedoch eine Therapieoption zur Verfügung, mit der sich
der Transfusionsbedarf langfristig reduzieren lasse und unter der es häufig
auch zu einer Normalisierung der Hämatopoese und der Zytogenetik komme. Dies
treffe insbesondere für diejenigen Patienten mit einer del 5q-Anomalie zu, was
sich bereits in der ersten Phase-IM-Studie (MDS-001) mit 43 Patienten aller
FAB-Subtypen gezeigt habe. Verifiziert
wurde diese Beobachtung in den jeweils 24 Wochen dauernden und bei MDS-Patienten
mit niedrigem oder intermediärem Risiko durchgeführten Phase-II-Studien: der
MDS-002-Studie mit 215 Patienten ohne 5q-Deletion und der MDS-003-Studie mit 148
Patienten mit einer 5q-Deletion. In beiden Studien wurden entweder täglich 10
mg Lenalidomid oder täglich 10 mg Lenalidomid an 21 Tagen im vierwöchigen
Zyklus verabreicht. 67% der del 5q Patienten der MDS-003-Studie erlangten
hierdurch eine völlige Transfusionsfreiheit und 9% eine Reduktion der
Transfusionen um mehr als 50%. In der MDS-002-Studie mit Patienten ohne
5q-Deletion waren dies 27% und 17%. Die mediane Ansprechdauer wurde bei den
Patienten mit del 5q nach 104 Wochen noch nicht erreicht; bei den Patienten ohne
diese Anomalie lag sie bei 43 Wochen. Bei 45% aller Patienten in der MDS-003Studie
kam es zu einer zytogenetisch kompletten Remission. Aufgrund dieser Ergebnisse
wurde Lenalidomid Ende 2005 in den USA für die Behandlung von transfusionsabhängigen
Patienten mit einem myelodysplastischen Syndrom der Risikoklasse low oder
intermediate-1 bei gleichzeitiger 5qDeletion mit oder ohne weitere
zytogenetische Aberrationen zugelassen. Wirksame Kombination von Lenalidomid und Dexamethason beim MM Seit
2006 ist Lenalidomid in den USA ebenfalls zugelassen für eine
Kombinationstherapie mit Dexamethason bei Patienten mit einem multiplen Myelom,
die bereits eine Standardtherapie erhalten haben. Grundlage für diese Zulassung
waren die positiven Ergebnisse aus den beiden randomisierten und
plazebokontrollierten Phase-III-Studien MM-009 (n=354) und MM-010 (n=351), die
parallel in Nordamerika und Europa durchgeführt wurden. Wie Prof. Dr. med.
Hermann Einsele aus Würzburg ausführte, hatten beide Studien ein
vergleichbares Design. Die Patienten erhielten in Zyklen von 28 Tagen einmal täglich
25 mg Lenalidomid (Tag 1-21) in Kombination mit 40 mg Dexamethason (Tage 1-4,
9-12 und 17-20) bzw. Dexamethason alleine. Ein Großteil der Studienteilnehmer
war zuvor entweder mit Bortezomib, Thalidomid oder hochdosiertem Dexamethason
oder einer Kombination dieser Substanzen behandelt worden. 60% der Patienten
hatten bereits eine Stammzelltransplantation erhalten. Bei
beherrschbarem Verträglichkeitsprofil war das Ansprechen unter der
Kombinationstherapie in der MM-009-Studie mit 59,4% und in der MM-010-Studie mit
59,1% signifikant höher als unter Dexamethason alleine (MM-009: 21,1% und
MM-010: 23,9%; p<0,001). Auch die Zeit bis zur Krankheitsprogression verlängerte
sich unter der Lenalidomidkombination in beiden Studien signifikant (MM-009: 15
vs. 5,1 Monate und MM-010: 11,3 vs. 4,7 Monate; p<0,001). Gleichzeitig war
das Gesamtüberleben in der MM-009 Studie um 9,4 Monate (p=0,013) länger, während
das mediane Gesamtüberleben in der MM-010 Studie im Vergleich zu Dexamethason
noch nicht erreicht wurde. In beiden Studien war die Gesamtüberlebensdauer im
Lenalidomid-haltigen Studienarm signifikant verlängert. Prof. Einsele wies
darauf hin, dass aufgrund der sehr guten Ergebnisse zur Zeit die Kombination von
Lenalidomid mit anderen Wirkstoffen in der Salvage- sowie auch in der First-LineTherapie
des multiplen Myeloms erprobt wird. Die Erhaltungstherapie mit Lenalidomid nach
peripherer Stammzelltransplantation wird ebenfalls geprüft. In
seiner Zusammenfassung der Veranstaltung gab Prof. Dr. med. Heinz Ludwig aus
Wien abschließend einen Ausblick: Neben den klinischen Ergebnissen, die zur
amerikanischen Zulassung von Lenalidomid zur Behandlung der myelodysplastischen
Syndrome und des multiplen Myeloms geführt haben, gibt es mittlerweile erste
vielsprechende Studienergebnisse zum Einsatz von Lenalidomid bei
chronisch-lymphatischer Leukämie, bei Non-Hodgkin-Lymphomen, bei Osteomyelofibrose
und bei Amyloidose. |
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