|
ISSN 0947 - 8736 European Journal of Clinical Research
|
|
Subscribers
|
Wandel in der Indikation zur Operation bei akuter Pankreatitisnach einem Vortrag von H. Fries, Bern Oktober 1998Im Gegensatz zur akuten ödematösen Pankreatitis, an der durch intensivmedizinische Maßnahmen heute praktisch kein Patient mehr verstirbt, weist die akute nekrotisierende Pankreatitis Mortalitätsraten zwischen 10 und 50% auf. Das kontrastmittelverstärkte CT gilt nach wie vor als der Goldstandard zur Differenzierung zwischen ödematöser und nekrotisierender Pankreatitis. Welche Veränderungen es im Hinblick auf die Indikationsstellung zur Operation der akuten nekrotisierenden Pankreatitis gibt, schilderte H. Friess, Bern. Wenn es zur Ausbildung von Nekrosen kommt, so treten diese bereits im frühen Verlauf auf. Das klinisch bedeutsamste Problem bei der nekrotisierenden Pankreatitis ist dabei die Sepsis. Die Sepsis beeinflußt maßgeblich den Krankheitsverlauf und vor allem die Letalität der Patienten. Die Daten vor Beginn der Antibiotikaära zeigen, daß es bei 40 bis 70% aller Patienten mit nekrotisierender Pankreatitis im Verlauf der Erkrankung zu einer Infektion der Nekrosen kommt. Beger et al. wiesen nach, daß die Infektion relativ spät im Verlauf auftritt. Wurde noch vor einiger Zeit die OP-Indikation aufgrund der klinischen Symptome, morphologischer und bakteriologischer Kriterien gestellt, wird heute in der Berner Klinik die Auffassung vertreten, daß das Vorliegen einer Nekroseninfektion alleine über die OP-Indikation entscheidet. Eine infizierte Nekrose sollte stets chirurgisch entfernt werden. Die Berner Chirurgen favorisieren hierbei die in Ulm entwickelte Bursalavage. Dabei werden die Pankreasnekrosen so weit wie möglich entfernt, und intraoperativ werden Spül-Saug-Drainagen eingelegt, mit denen die Pankreaskompartimente mit hohen Flüssigkeitsmengen lavagiert werden. Durch Antibiotikagabe kann die Infektion der Pankreasnekrose und damit ggf. auch der Zeitpunkt einer erforderlichen Operation hinausgezögert werden. Dieses Vorgehen bietet laut Friess den Vorteil, daß die Nekrosen deutlicher demarkiert sind und daher die Abgrenzung vom vitalen Pankreasgewebe besser gelingt. Wie er durch einen Vergleich der Ulmer mit den Berner Daten belegen kann, wurde die OP-Frequenz durch das veränderte Therapieschema von früher 74% auf heute 37% gesenkt. Friess faßte das neue Therapieschema folgendermaßen zusammen: Patienten mit nachgewiesener nekrotisierender Pankreatitis erhalten eine Antibiotikaprophylaxe. Kommt es dennoch zu einer Infektion, müssen die Nekrosen operativ entfernt werden.
|
|