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ISSN 0947 - 8736

Journal of Clinical Research


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Pharmakokinetik von Fluorchinolonen

 

B. Drewelow, I Brackmann

Rostock

 

Zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Antibiotikums reicht es nicht aus, sich mit der Pharmakodynamik, d.h. der antibakteriellen Wirksamkeit dieser Substanz auseinanderzusetzen, auch die Pharmakokinetik spielt für den therapeutischen Einsatz eine wichtige Rolle. In diesem Kontext beschäftigte sich B. Drewelow, Rostock, mit den pharmakokinetischen Parametern von Fluorchinolonen.

 

Die Pharmakokinetik beschreibt alle Prozesse, die dafür verantwortlich sind, wie der Wirkstoff zum Ort der Wirkung gelangt und wie er aus dem Organismus eliminiert wird.  Ein wichtiger Parameter in diesem Zusammenhang ist die Halbwertszeit, definiert als die Zeit, in der die Serum-Konzentration eines Pharmakons um die Hälfte sinkt. Auch wenn die Halbwertszeit nicht identisch mit dem Dosierungsintervall ist, so kann  sie nach Ausführungen von Drewelow dennoch einen Anhalt dafür geben, in welchen zeitlichen Intervallen eine bestimmte Dosis zu verabreichen ist. Weitere wichtige Punkte zur Beurteilung der Pharmakokinetik einer Substanz sind die Elimination, das Verteilungsvolumen, die Gewebegängigkeit, die Plasmaproteinbindung und die Bioverfügbarkeit.

 

In den nachfolgenden Tabellen sind die wichtigsten pharmakokinetischen Daten der Fluorchinolone der Gruppen I bis IV zusammengestellt, wobei der Einteilung der Fluorchinolone in die Gruppen I bis IV ein von Naber und Adam unter Mitwirkung einer Expertengruppe der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie unterbreiteter Vorschlag zugrunde liegt[1].

 

Tabelle 1: Chinolone – Gruppe I

 

Norfloxacin

Pefloxacin

Orale Bioverfügbarkeit

 

30-40 %

90 %

HWZ

3-4 h

 

11-13 h

Plasmaeiweißbindung

<15 %

 

ca. 30 %

Elimination

renal: 30-40 % unverändert

ca. 20% Metabolite

Biliär, Fäzes: ca. 30%

 

renal

Fäzes

Interaktionen

Theopyllin, Coffein, Antazida

 

Theopyllin, Coffein, Antazida

Mittlere Dosis

400 mg p.o.

 

800 mg p.o.

Übliches Dosierungsintervall

12 h

Zulassung nur für einmalige Gabe

 

 

 

Tabelle 2: Chinolone – Gruppe II

 

Enoxacin

Fleroxacin

Ofloxacin

Ciprofloxacin

Orale Biover­fügbarkeit

 

87 %

100 %

>90 %

70-80 %

HWZ

4-6 h

10 (9-13) h

5-7 h

3-5 h

 

Plasmaeiweiß­bindung

30 %

23 %

25 %

20 – 30 %

Elimination

renal: (> 40 % unverändert)

renal (50-60 % unverändert)

renal 80-90 %

renal 60-70 %

biliär 1 %

Fäzes 20-30 %

 

Interaktionen

Theopyllin, Coffein, mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

mineral. Antazida

Sucralfat, Eisensalze

Theophyllin, Coffein, mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

 

Mittlere Dosis

200-400 mg p.o.

200-400 mg i.v. = p.o. Einmalgabe von 400 mg p.o. bei unkomplizierter Zystitis

 

200-400 mg i.v. = p.o.

200-400 mg i.v.

(250)-500-750 mg p.o.

Übliches Dosie­rungsintervall

 

12 h

24 h

12 h

12 h

Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

erforderlich

erforderlich

erforderlich

nicht erforderlich

 


 

 

Tabelle 3: Chinolone Gruppe III

 

Levofloxacin

Sparfloxacin

Grepafloxacin

Orale Bioverfügbarkeit

 

ca. 100 %

ca. 90 %

72 %

HWZ

 

6-8 h

20 (16-22) h

12 (10-13) h

Plasmaeiweißbindung

 

30-40 %

45 %

50 %

Elimination

renal: ca. 85 % (davon <5% Metabolite)

renal 30-40 % (9-10 % unverändert, 27-38% Metabol.)

Biliär, Fäzes >60% (unverändert)

 

renal 5-14 %

Biliär, Fäzes 27 %

Interaktionen

mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

Amiodaron, Sotalol

(QT-Verlängerung)

mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

 

Theophyllin, Coffein, mineral. Antazida

Sucralfat, Eisensalze

Mittlere Dosis

250-500 mg p.o.

500 mg i.v.

initial 400 mg p.o.,

dann 200 mg p.o.

 

400-600 mg p.o.

Übliches Dosierungsintervall

 

12-24 h

24 h

24 h

Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

erforderlich

nicht erforderlich

nicht erforderlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 4: Chinolone Gruppe IV

 

 

Trovafloxacin

Gatifloxacin

Moxifloxacin

Clinafloxacin

Orale Bioverfügbarkeit

 

ca. 88 %

> 85 %

86-90 %

ca. 90 %

HWZ

 

9-1 1 h

7-10 h

12-13 h

4-6 h

Plasmaeiweiß-

bindung

 

ca.76 %

ca. 20 %

35-45 %

20-50%

Elimination

renal <10 %

hepatisch, biliär, Fäzes

renal 80 -90 % unverändert

Fäzes: 6%

renal: 20 % unverändert biliär/Fäzes: 25 %

renal 44-64% (meist unverändert)

Interaktionen

Antazida

Antazida

mineral. Antazida Sucralfat, Eisensalze

Theophyllin, Coffein mineral. Antazida, Sucralfat, Eisensalze

 

Mittlere Dosis

200 -300 mg i.v. (Prodrug-

Alatrofloxacin)

100 -200 mg p.o.

 

400-600 mg p.o.,

400 mg p.o

200-400 mg p.o.

Übliches Dosierungsintervall

 

24 h

(12) -24 h

24 h

12 h

Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

 

nicht erforderlich

erforderlich

nicht erforderlich

erforderlich

 

 

Die „In-vitro-Empfindlichkeit“ des Erregers bildet die Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit einer antimikrobiellen Substanz. Neben diesen pharmakodynamischen müssen jedoch auch die pharmakokinetischen Eigenschaften bei der Antibiotika-Auswahl berücksichtigt werden. So ist eine ausreichend hohe Konzentration am Ort der Infektion entscheidend für die klinische Wirksamkeit. Die meisten Fluorchinolone der Gruppen II bis IV verfügen über die geforderte Gewebepenetration, z.T. auch in spezielle Kompartimente wie das Pankreas. Für das Dosierungsintervall sind die Halbwertszeiten ausschlaggebend, wobei eine einmal tägliche Gabe ab einer Halbwertszeit von 6 bis 7 Stunden aus pharmakokinetischer Sicht möglich ist. Bei Intensivpatienten mit Organversagen ist der Ausscheidungsweg der einzelnen Vertreter zu berücksichtigen. Eine Dosierungsanpassung wird bei Substanzen mit hoher renaler Eliminationsrate erforderlich.

 


[1] Naber KG. Adam D. Einteilung der Fluorchinolone. Chemotherapie Journal 1998; 7: 66-68.

 

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