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ISSN 0947 - 8736 European Journal of Clinical Research
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Kommentar: Dosisfindungsstudie RiluzolD.
Pongratz, Friedrich-Baur-Institut bei der Medizinischen und der Neurologischen
Klinik, Klinikum
Innenstadt der Universität München
Es handelt sich um die
Ergebnisse der international durchgeführten doppelblinden, placebokontrollierten
Studie über den Einsatz des Glutamatantagonisten Riluzol bei Patienten mit
amyotropher Lateralsklerose. Zusammen mit der europäischen Studie, welche
bereits 1994 in The New England Journal of Medicine[i]
publiziert worden war, bildet sie die Grundlage für die europaweite
Zulassung der Substanz im Juni 1996. Man kann konstatieren, daß es
sich dabei um die erste Substanz handelt, welche bei der ALS einen statistisch
signifikanten Effekt auf die Überlebenszeit der Patienten um ca. 3 Monate
erbringen konnte. Eine Verbesserung der Lebensqualität unter dieser Therapie
konnte bisher noch nicht klar gezeigt werden. Die Zukunft muß zeigen, ob sich
ein solcher Effekt beim möglichst frühzeitigen Einsatz der Substanz
demonstrieren läßt. Inwieweit man nach jetziger Kenntnis das Medikament in
fortgeschrittenen Krankheitsstadien einsetzen soll, muß kritisch diskutiert
werden. Nebenwirkungen sind im
wesentlichen Nausea und Müdigkeit. Letztere wird von einigen Patienten als
Verschlechterung der Schwäche fehlgedeutet, ist jedoch nach Absetzen des Präparates
voll reversibel. Insgesamt führten die Nebenwirkungen nur in knapp 4% der Fälle
zu einem Therapieabbruch. Selten werden Transaminasen-Erhöhungen, ganz
selten eine Neutropenie beobachtet. Besonders deutlich wird wider
Erwarten die Überlebenszeit bei bulbär beginnenden Formen der Erkrankung
verlängert. Was die Dosisfindung anbelangt,
stellt sich eine Tagesdosis von 100 mg im Hinblick auf Wirkung und
Nebenwirkungsprofil als am günstigsten heraus. In der Entwicklung für die
Therapie der ALS befinden sich gegenwärtig neurotrophe Faktoren,
insbesondere Insulin-like-growth-factor und brain-derived-neurotrophic-factor
sowie neue Glutamatantagonisten. Gegenwärtig ist in klinischen Studien von
keiner der neuen Substanzen eine Überlegenheit gegenüber Riluzol zu
erkennen. Für die Zukunft wird man jedoch auch über Kombinationstherapien
nachdenken müssen. Zusammenfassend bleibt
festzuhalten, daß der Glutamatantagonist Riluzol das erste Medikament
darstellt, welches bei der ALS in zwei doppelblinden, placebokontrollierten
Studien eine statistisch signifikante Zunahme der Lebenserwartung nachweisen
ließ. Auch wenn der klinische Effekt
im Einzelfall meist nur gering erscheint, ist dies ein großer Fortschritt. Im Hinblick auf die Art der
Erkrankung sollte nach heutigem Wissen jedem Patienten mit einem frühen
Stadium einer gesicherten ALS Riluzol als medikamentöse Therapie zur Verfügung
gestellt werden. Es ist jedoch einzubetten in weitere interdisziplinäre Maßnahmen
wie physikalische Therapie, psychosomatische Beratung, Hilfsmittelversorgung
und die begleitende symptomatische medikamentöse Behandlung einzelner
Symptome. In der Endphase der Erkrankung
haben palliativ-therapeutische Maßnahmen den größten Stellenwert. Über eine mögliche
Indikationserweiterung für Riluzol über die ALS hinaus, insbesondere für
die Behandlung der hereditären spinalen Muskelatrophien oder des
Postpoliosyndroms, wird nachzudenken sein.
Korrespondenzadresse: Prof. Dr. med. D. Pongratz Friedrich-Baur-Institut bei der Medizinischen und
der Neurologischen Klinik, Klinikum Innenstadt der
Universität München Ziemssenstraße 1 80336 München
[i]
Bensimon G, Lacomblez L, Meininger V and the ALS/Riluzole Study Group; A
controlled trial of riluzole in amyotrophic lateral sclerosis. N Eng J Med
330, 1994, 585-591 |
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